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Plakative Auszeichnung für ESV

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ETSV - Integrationsarbeit

Landessportverband würdigt Integrationsbemühungen mit der Auszeichnung als »Stützpunktverein«

Der Eisenbahnersportverein (ESV) Offenburg hat in diesem Jahr erstmals wieder eine 1. Fußballmannschaft aufzuweisen - dank ausländischer Spieler. Ein Drittel der Kicker haben keinen deutschen Pass. Die Integrationsarbeit verläuft erfolgreich; der ESV ist einer von 30 Stützpunktvereinen in Baden-Württemberg.

Von: Pascal Cames

Offenburg. Was wäre die Bundesliga ohne ausländische Spieler - ohne Ailton, Koller, Petrow…? Der Liga würde der Glanz fehlen. Was wäre die Nationalmannschaft ohne ihre Stürmer mit einem ausländischen Hintergrund - etwa Miroslav Klose oder Kevin Kuranyi? Wahrscheinlich würde die Nationalelf auf Augenhöhe mit der Schweiz spielen.

Was im Fußball funktioniert - das Miteinander, das Auf-ein-Ziel-hinarbeiten und die gemeinsame Sprache -, findet im Alltag nicht immer seine Entsprechung. Der Integrationsbeauftragte des ESV, Alexander Simon, zitiert die Shell-Studie, wonach deutsche und ausländische Jugendliche nur wenige Berührungspunkte haben. »Im Freizeitbereich geht jede Gruppe ihren eigenen Weg«, weiß er. Integrationsarbeit gehört immer noch zu den vordringlichen Aufgaben der Gesellschaft - auch in Offenburg.Der ESV ist durch seinen Standort in der Nordweststadt ein Verein, der wie ein Magnet auf Kinder und Jugendliche wirkt, die aus türkischen, russischen oder eritreischen Familien stammen. Der Ausländeranteil des Vereins liegt bei über 30 Prozent. Viele Sportler stammen auch aus ausländischen Familien, besitzen aber mittlerweile den deutschen Pass. Ob mit oder ohne deutsche Papiere: Diese Menschen gelten im Alltag oft noch als »Ausländer« und haben nicht selten die gleichen Probleme, wie sie andere Menschen ohne deutschen Pass auch haben.

Der ESV ist einer von 30 Stützpunktvereinen in Baden-Württemberg, die sich um die Integration besonders verdient machen. »Der ESV ist ein Fußballverein, der sehr gute Integrationsarbeit vor Ort leistet«, lobt Nelly Zeidler vom Landessportverband. Dieses Lob findet nun auch eine visuelle Umsetzung. Ab sofort macht der ESV auch mittels Bandenwerbung auf seine vorbildliche Integrationsarbeit aufmerksam.
Im Alltag mit den Kindern und Jugendlichen beschreitet der ESV viele unterschiedliche Wege, um aus Einzelspielern ein Team zu formen. Zum Beispiel geht der Verein mit den Jugendlichen klettern oder auch mal zusammen ins Schwimmbad. »Wenn die Kameradschaft passt, funktioniert es auch in der Mannschaft«, sagt der ESV-Integrationsbeauftragte Alexander Simon.

Die ehrenamtlichen Übungsleiter stehen aber vor der Doppelbelastung Training/Sport und Integrationsarbeit. »Eine sozialpädagogische Tätigkeit ist nicht im eigentlichen Sinne eines Sportvereins«, weiß Nelly Zeiler. Um die Trainer besser auf die notwendigen Anforderungen vorzubereiten, unterstützt der Landessportverband die Stützpunktvereine durch Geld, Beratung und Lehrgänge. »Integration ist ein komplexes Thema und nur durch den Sport nicht zu gewährleisten«, ist Nelly Zeiler klar.

Der ESV strebt deshalb auch eine möglichst breite Vernetzung im Stadtviertel an, damit die Arbeit auf vielen Schultern ruht. Partner wie der Treff am Mühlbach (Tram) sind darum willkommen. Auch bei der Stadt findet die Arbeit positive Resonanz. Die städtische Integrationsbeauftragte Ulrike Kleinknecht-Strähle findet die Integrationsbemühungen des Eisenbahnersportvereins »enorm« und sieht im Sport »Chancen, um miteinander ins Gespräch zu kommen«.